Die heutige Debatte im Europäischen Parlament über ein mögliches EU-weites Verbot sogenannter Konversionstherapien ist ein längst überfälliger Schritt hin zu einem besseren Schutz von queeren Menschen in Europa. Der Bundesvorstand der SPDqueer, der Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung in der SPD, begrüßt ausdrücklich, dass sich das Europäische Parlament mit der Europäischen Bürgerinitiative „Ban on conversion practices in the European Union“ befasst, die mehr als eine Million Unterstützer*innen mobilisieren konnte.
Konversionstherapien verfolgen das Ziel, sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu verändern, zu unterdrücken oder „umzuerziehen“. Sie basieren auf der falschen und menschenverachtenden Annahme, queere Identitäten seien krankhaft oder behandlungsbedürftig. Internationale Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen bewerten diese Praktiken seit Jahren als schwerwiegenden Eingriff in die Menschenwürde und als Form psychischer Gewalt.
Dazu erklärt Oliver Strotzer, Co-Bundesvorsitzender der SPDqueer: „Konversions- therapien sind keine Therapie, sondern Gewalt. Sie verursachen Angst, Scham, Depressionen und traumatische Erfahrungen. Niemand muss geheilt werden, weil eine Person queer ist. Europa darf hier keine Schutzlücken zulassen.“
Noch immer existieren innerhalb der Europäischen Union erhebliche Unterschiede beim Schutz queerer Menschen. Während einzelne Mitgliedstaaten bereits gesetzliche Verbote eingeführt haben, fehlen in vielen Ländern klare Regelungen. Ein EU-weiter Rechtsrahmen würde sicherstellen, dass queere Menschen überall in Europa denselben Schutz vor diesen entwürdigenden Praktiken erhalten. Derzeit haben nur einige Mitgliedstaaten explizite Verbote eingeführt.
„Die Europäische Union versteht sich als Wertegemeinschaft. Wer Menschenrechte ernst nimmt, muss Praktiken ächten, die darauf abzielen, Identitäten zu unterdrücken oder auszulöschen. Ein Verbot von Konversionstherapien wäre ein starkes Signal für Akzeptanz, Selbstbestimmung und den Schutz queerer Menschen in allen Mitgliedstaaten.“ fügt Carola Ebhardt, Co-Bundesvorsitzende der SPDqueer hinzu.
Der Bundesvorstand der SPDqueer fordert die Europäische Kommission daher auf, ihre eigenen Versprechen einzulösen. Dazu gehören ein verbindliches Verbot von Konversionstherapien, die Anerkennung dieser Praktiken als schwerwiegende Menschenrechtsverletzung sowie umfassende Unterstützungsangebote für Betroffene.
Europa muss ein Raum der Freiheit, Vielfalt und Selbstbestimmung sein. Der Schutz queerer Menschenrechte darf nicht von nationalen Grenzen abhängen.
